Mittwoch, 29. November 2017

42. Erzählcafé im Körnerkiez

Donnerstag, 23. November 2017


Paul Schwingenschlögl – Musiker für den Kiez und in der Welt

Wenn der Musiker Paul Schwingenschlögl nicht gerade auf Tournee ist, trifft man ihn häufig im Körnerkiez, denn er sorgt für die Musik im Körnerpark. Das Neuköllner Kulturamt hat vor Jahren die Konzertreihen „Sommer im Park“ und „Salonmusik“ in seine Hände gelegt. Im Hauptberuf ist er Musiker und Komponist, hat diverse eigene Bands im Bereich Jazz und Weltmusik, spielt Trompete, Flügelhorn und Klavier in unterschiedlichsten Ensembles. Seine Trompete begleitet auch seine Geschichte, die er uns im Leuchtturm erzählt. Paul, dessen Dialekt seine österreichische Herkunft verrät, berichtet eher zurückhaltend aus seinem Leben. Aber wenn er spielt, ist er leidenschaftlich. Deshalb muss man ihn unbedingt musizierend erleben. Am darauffolgenden Sonntag gibt Paul Schwingenschlögl mit dem Pianisten Stefan Fischer als „Duo Cinema“ ein beeindruckendes Konzert, bei dem wir (einige Besucher*innen des Erzählcafés) ihn als charismatischen Musiker kennenlernen. Zur Einstimmung in seine Geschichte spielt Paul eine schmeichelnde Melodie auf der Trompete, die wir zu kennen glauben.

„Das war die großartige Komposition von Nino Rota für Fellinis Film ‚La Strada’. Der Film kam 1954 ins Kino, vier Jahre vor meiner Geburt in Wien“, erklärt Paul. Als Paul drei Jahre alt ist, zieht die Familie von Wien in die Wachau, eine bedeutende Kulturlandschaft im Tal der Donau zwischen Melk und Krems. Im Jahr 2000 wurde diese Landschaft in die Liste der UNESCO als Weltkultur- und -naturerbe aufgenommen „Nicht zu Unrecht, denn die Wachau ist eines der bezauberndsten Flusstäler Europas. An den Hängen wachsen hervorragende Weine. Die kann man vor Ort genießen bei einem der vielen Heurigen, in denen die Weinbauern ihre Weine ausschenken und zu günstigen Preisen einen kleinen Imbiss anbieten. Das ist etwas, was ich bis heute in Berlin vermisse. Mein erster Weg, wenn ich wieder mal in der Wachau bin, führt zum Heurigen“, schwärmt Paul. Er wächst in der kleinen Stadt Mautern auf. Sie liegt an der Donau gegenüber der Bezirksstadt Krems, wo sein Vater als Bankangestellter arbeitet wie auch schon in Wien, doch nun ist er leitender Angestellter in der kleinen Filiale in Krems.

Paul besucht in Mautern die Volksschule. Nach eher widerwilligen Versuchen auf der Blockflöte darf er sich mit acht Jahren endlich ans Klavier setzen und geht regelmäßig zum Klavierunterricht. Da er drei jüngere Schwestern hat und gerne mit Jungen zusammen ist, findet er Gefallen am Plan seiner Eltern, ihn ins Sängerknabenkonvikt in Stift Zwettl zu schicken, das etwa 50 Kilometer von Mautern entfernt ist. Aber der Alltag im Stift mit den strengen Klostersitten ist alles andere als rosig. Trotzdem hält er vier Jahre durch. Der Musiklehrer bestätigt ihm zwar ein gutes Hörvermögen, als Sänger tauge er aber nichts. Einmal die Woche gibt es auch Trompeten- und Klavierunterricht. Nach der  Zeit im Konvikt kommt er nach Mautern zurück.

In der Nachbarstadt Krems besucht er das Gymnasium und findet schnell neue Freunde. Mit ihnen gründet er seine erste Rockband, in der er Schlagzeug spielt, anfangs auf leeren Waschpulvertrommeln. Obwohl sein Vater nichts für Rockmusik übrig hat, kauft er ihm ein Jahr später ein richtiges Schlagzeug. Paul freundet sich mit dem zwei Jahre älteren Ronnie Iraschek an, ebenfalls Schlagzeuger, der später als Ronnie Rocket Urini in Österreich als Sänger und Songwriter Karriere machen wird. Mit 16 entdeckt er den Jazz und geht so oft wie möglich zu Konzerten in den Kremser Jazzclub. Im Gegensatz zum Musikunterricht in der Schule, bei dem auf die Musikgeschichte Wert gelegt wird, erlebt er im Jazzclub die Kreativität der Musiker beim Zusammenspiel, ihre Hingabe und ihr technisches Können. Schon jetzt pendelt er zwischen drei Musikrichtungen. Am Klavier spielt er klassische Musik von Mozart, Beethoven, Mussorgski, Bach und Chopin, bei der Band "Cinnamon Broughhams Revival" spielt er am Schlagzeug Rockklassiker und in der Big Band des Jazzclubs Trompete. 

Nach dem Abitur 1976 verbringt er im Rahmen des Schüleraustauschprogramms AFS (American Field Service) ein Jahr in den USA. In Bethesda, Maryland, besucht er die Walt Whitman High School. Anders als in Österreich werden die Schüler dort nicht im Klassenverband unterrichtet, sondern sie bewegen sich von einem Kurs zum nächsten. Angesichts der großen Anzahl verschiedener Kurse kann man sich schon früh nach seinen Neigungen ausbilden und spezialisieren. Das Schüleraustauschprogramm AFS hat gewisse Bedingungen: jeder AFS-Schüler soll je einen Kurs in Englisch, Geschichte und Sport belegen. Für Paul sind daneben natürlich die Musikkurse am interessantesten. Dazu gehört auch das Mitwirken in einer Big Band. Er steigt dort mit seiner Trompete ein, obwohl eigentlich das Klavier sein Instrument ist. Aber im Haus seiner Gastfamilie, einem weltoffenen Diplomatenhaushalt, gibt es leider kein Klavier zum Üben. In der Big Band darf er zwar hin und wieder das Piano spielen, meistens jedoch wird er mit seiner Trompete eingesetzt und  macht durch das tägliche Üben große Fortschritte auf dem Instrument „Das Spielen in der Big Band war für mich ein musikalischer Durchbruch“, sagt Paul.  Er besucht die Clubs und Konzertsäle, wo er ausgezeichnete Jazzmusiker erlebt wie Dizzy Gillespie, Stan Kenton, Buddy Rich, Joe Zawinul und Stanley Clarke.

Nach diesem einschneidendem Jahr in den USA kehrt Paul nach Österreich zurück und lässt sich in Wien nieder. Wie nun weiter? Welche Berufsausbildung ist die beste für mich? Musik oder Sprachen? Bin ich wirklich so begabt, dass ich eines Tages vom Musikmachen leben kann? Oder gehe ich auf Nummer sicher und lasse mich zum Übersetzer ausbilden? Paul kann außer Englisch auch gut Französisch. Journalismus wäre ebenfalls eine Option. In Wien gibt es aber nicht für alle angedachten Richtungen gute Entwicklungsmöglichkeiten. Das einzige Jazzinstitut in dieser Zeit (Ende der 1970er-Jahre) ist ihm zu verschult. Beiträge für österreichische Boulevardzeitungen zu verfassen, erscheint ihm wenig attraktiv, und bei den wenigen seriösen Zeitungen sind die Jobs rar und begehrt. Hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Berufsoptionen entscheidet er sich für das Dolmetscher- und Übersetzerstudium in den Sprachen Englisch und Französisch.

Die Musik lässt ihn aber nicht los. Neben seinem Sprachstudium nimmt er Privatunterricht bei Franz Koglmann, einem anerkannten Trompeter und Komponisten, und taucht weiter in die Musikszene ein, indem er an Workshops teilnimmt, die erfahrene Musiker anbieten (wie Mike Mantler, Bill Dixon, George Russell und Gil Evans). Mit dem Bassklarinettisten Hans Steiner und dem Posaunisten Jacques Nobili gründet er das  Bläserensemble TRANS. Jeder der drei schreibt Kompositionen, die sich zwischen Jazz und europäischer Moderne bewegen.

Noch während des Studiums sucht sich Paul Arbeit als Übersetzer. Allerdings verdient er bei Auftritten mit einer Tanzmusik-Band wesentlich mehr Geld als mit dem Übersetzen. Er entwickelt sich musikalisch rasch weiter und spielt in den verschiedensten Gruppen und Formationen. Er tritt auf in Jazz-Clubs, spielt Punk-Rock mit der Band seines Kremser Freundes Ronnie Urini, aber auch Tanzmusik. Die klassische Musik lässt er beiseite. So, wie sie landläufig dargeboten wird, findet er sie langweilig. Paul meint zu der Zeit, die klassischen Musiker seien wie Beamte, die zu vorgegebenen Dienstzeiten exakt das spielen, was auf dem Notenblatt steht und am Monatsende ein gutes Gehalt kassieren. Das möge und könne er nicht. „Heute sehe ich das ein wenig anders“, sagt Paul schmunzelnd und ergänzt: „Die jungen klassischen Musiker interessieren sich durchaus für Jazz und machen oft beides."

Nachdem er das Übersetzerstudium abgeschlossen hat, soll er zum Militärdienst eingezogen werden. Paul will aber den Zivildienst absolvieren. Dafür muss er sich einer Kommission stellen, die ihn befragt und anschließend über seinen Antrag entscheidet. Er fällt durch, weil er seine Wehrdienstverweigerung mit politischen Argumenten begründet hat. Bei der Wiederholung argumentiert er mit der Bibel. Das kommt in diesem erzkatholischen Land besser an. Man stellt ihm eine Fangfrage: Die Trompete ist doch ein kriegerisches Instrument, nicht wahr? Schon die Bibel erwähnt die Trompeten von Jericho... Verzeihung, sagt Paul, Sie meinen sicher die Posaunen von Jericho! Auch andere Bibelstellen zitiert er ohne Probleme und ist damit für den Zivildienst, der acht Monate dauert, qualifiziert.

Von den vielen Konzerten, die Paul in dieser Zeit gibt, bleibt ihm eines unvergessen: der Auftritt mit der Gil Evans Band beim Jazzfest Wien 1986 an der Seite von Jazzgrößen wie Lew Soloff, George Adams und John Surman. Paul wird auch in Berlin (West) engagiert, wo er wieder neue Musiker kennenlernt – und sich verliebt. Er muss aber nach Wien zurück, um seinen Zivildienst zu leisten. Wenig später kommt seine Berliner Freundin nach Wien und wohnt bei ihm. Nach Beendigung des Zivildienstes verlangt sie von ihm eine Entscheidung: künftig Wien oder Berlin. Paul sagt: Ich probier’ es mal für ein paar Monate mit Berlin.

Ende 1987 zieht er nach West-Berlin und bekommt einiges mit von der legendären West-Berliner Zeit, in der dank großzügiger Subventionen die Kultur zum Blühen gebracht wurde. „Für Musiker gab es viele Möglichkeiten aufzutreten, mehr als heute“, sagt Paul. Durch Vermittlung seines Wiener Trompetenlehrers Franz Koglmann hat Paul gute Verbindungen zu Musikern in der DDR, die er oft besucht und mit denen er  gemeinsam auftritt. Darunter sind Johannes Bauer, Ernst-Ludwig Petrowsky, Helmut Forsthoff, Joe Sachse, Klaus Koch, Uli Gumpert, Manfred Hering, Steffen Hübner, Heiner Reinhardt. Anders als im Westen haben Jazzmusiker in der DDR kaum Probleme, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Mieten sind billig und auch vieles andere, das man zum Leben braucht. Da reichen schon einige wenige Konzerte im Monat, um gut leben zu können und keinen Nebenjob ausüben zu müssen wie viele der Musikerkollegen im Westen. Schwierig ist nur, eine Ausreisegenehmigung zu bekommen. Einige wenige schaffen es und treten bei Festivals im Westen auf. Sie werden von Veranstaltern gerne gebucht, da ihre Musik, die wegen der Abschottung der DDR weitgehend unbekannt ist, ganz anders klingt: eigenständiger und mit viel Raum zur freien Improvisation.

Im November 1989 öffnet sich die Mauer, die DDR gibt es noch fast ein Jahr. Der Konzertveranstalter Jimi Metag organisiert im Januar 1990 für Paul eine zweiwöchige Tournee durch die DDR mit dem Wiener Gitarristen und Komponisten Alfred Polansky, mit dem er auch in Österreich schon öfters konzertierte. Sie treten in vielen Städten auf wie Leipzig, Dresden, Cottbus, Rostock, Hoyerswerda. Für Paul ist es die bisher am besten honorierte Tournee, allerdings in Ostmark. Mit dem Geld kann er nicht viel anfangen, da der Kurs täglich schlechter wird. Bis zur Währungsunion kauft er sich in Ost-Berlin Schallplatten und Bücher und kann dort gut essen gehen.

In Berlin kommt Paul auch mit Musikern aus anderen Kontinenten zusammen. Es gibt eine große afrikanische Musiker-Community, und Paul tritt mit Musikern aus dem Senegal, aus Ghana, der Elfenbeinküste, Zaire und Südafrika auf,  auch mit Musikern aus Südamerika und aus Indienspielt er. Der Bassist Ramani Krishna macht ihn mit einer indischen Bluesband bekannt, die ihn 2013 zu einem Festival nach Südindien einlädt. Mit der ägyptischen Band "Salamat" tritt er bei Festivals in ganz Europa auf und nimmt sogar eine CD in einem Studio in Kairo auf. Mit seiner eigenen Band „African Chase Experience“ gastiert er bei Jazzfestivals in Chemnitz, Glauchau, Ilmenau, Rostock und Leipzig. „Es war eine spannende Zeit, und die Kontakte pflege ich bis heute“, sagt Paul. Die Erfahrungen mit Musikern aus anderen Kulturkreisen bereichern sein Musikverständnis und beeinflussen seine Kompositionen. „Beim Jazz sah ich einen gewissen Stillstand. Es wurde vieles, das die alten Meister geschaffen hatten, unreflektiert nachgespielt. Und auch in der freien Improvisation hatten Klischees Einzug gehalten. Deshalb empfand ich die Begegnungen mit den afrikanischen Musikern als anregende Auffrischung.“

Paul wohnt seit 1987 in Schöneberg. 1996 trennt er sich von seiner Freundin und sucht eine eigene Wohnung. Er findet sie in Neukölln. Seine Freunde erklären ihn für verrückt, in den damals verrufenen Bezirk zu ziehen. Der Grund der Trennung ist eine neue Liebe in Paris. Das passt, denn Paris und die dortige Musikerszene haben ihn schon immer fasziniert. So verbringt er immer wieder einige Wochen in der französischen Hauptstadt. Trotz einiger Auftritte beim französischen Rundfunk und bei Festivals gelingt es ihm nicht, dort Fuß zu fassen. Es leben viele gute Musiker in Paris, die alle um Engagements kämpfen. Er lernt den berühmten Saxofonisten David Murray kennen. Der spielt bei Festivals weltweit und verdient damit  gutes Geld. Doch in Paris hat sogar ein David Murray kaum Auftritte. "Eine wunderschöne Stadt, aber nur für Musiker geeignet, die anderswo, meistens bei weltweiten Tourneen, ihr Geld verdienen", so Pauls Fazit. Da ist das Leben in Berlin schon einfacher, außerdem hat Paul hier mittlerweile ein gutes Netzwerk aus Veranstaltern und Musikerkollegen.

Im Jahr 1996 erhält er ein Kompositionsstipendium für das Projekt "African Chase Experience". Damit kann er seinen Traum verwirklichen, einige der besten Musiker der (ehemaligen) DDR, aus Berlin sowie afrikanische Musiker aus dem Senegal und Ghana in einer einzigen Band zu vereinen. Nach der Präsentation seines Werks wird die Band zu bedeutenden Festivals eingeladen. Sie bringt eine CD heraus, aufgenommen im legendären Hansa-Studio – ein weiterer Grund dafür, dass die Aufenthalte in Paris zunehmend seltener und kürzer werden .

In dieser Zeit bekommt er ein Engagement am Landestheater Neustrelitz für das Musical "Black Rider". Mit der Off-Theatergruppe ZATA war er an verschiedenen Produktionen beteiligt und 1991 sogar zum Theaterfestival in Taschkent in Usbekistan eingeladen. Mit dem Theater hatte er sich seit den Neunzigern beschäftigt.

Nach seinem Umzug nach  Neukölln sucht er nach lokalen Fördermöglichkeiten für Musiker. Er bewirbt sich für die dezentrale Kulturförderung und reicht ein Projekt mit Musikern ein, die ihren Wohnsitz in Neukölln haben, aber aus anderen europäischen und außereuropäischen Ländern stammen. Er bekommt den Zuschlag und erarbeitet mit ausgewählten Musikern ein erfolgreiches Konzertprogramm, das an zwei Tagen in der Werkstatt der Kulturen präsentiert wird. „Doch, wie es mit solchen Projekten oft geschieht, fand es nur einmal statt. Dann wurde es nicht mehr gefördert“, bedauert Paul. Trotzdem hat es sein Gutes, denn Paul lernt die engagierte Kunstamtsleiterin Dr. Dorothea Kolland kennen. Mit ihrer Hilfe kann er das internationale Festival "Transglobal Counterblast" mit Musikern aus vier Kontinenten verwirklichen, das an vier Tagen im Kulturhaus Treptow stattfindet und ein Jahr später auf einer großen Open-Air-Bühne in Potsdam.

Außerdem bittet ihn Frau Kolland um Unterstützung bei der Durchführung der seit vielen Jahren eingeführten Konzertreihe „Sommer im Park“ (gemeint ist der Körnerpark). Bald wird er in die Programmplanung einbezogen und hat die Verbindungen zu den Musikern herzustellen. Dann entsteht die Idee, unter dem Titel „Salonmusik“ ein oder zweimal im Monat Konzerte auch im Herbst und Winter anzubieten, die im Café in der ehemaligen Orangerie stattfinden sollen. Unter der neuen Leiterin, Dr. Katharina Bieler, die seit September 2013 im Amt ist, findet diese zweite Konzertreihe durchgängig jeden Sonntag in der kalten Jahreszeit statt, von Anfang Oktober bis Ostern. Paul organisiert seitdem die beiden Veranstaltungsreihen in Abstimmung mit Bettina Busse vom Fachbereich Kultur.
Auch wenn er immer wieder in Berlin und Neukölln zu hören ist, nimmt seine internationale Konzerttätigkeit zunehmend mehr Raum ein. Aus der Begegnung mit der New Yorker Minimal Music Komponistin Catherine Christer Hennix im Jahr 2012 entsteht eine intensive Zusammenarbeit. Mit ihrem Ensemble „CC Hennix and the Chora(s)san Time-Court Mirage“ konzertiert er bei Musikfestivals in New York, Amsterdam und Berlin. Mit dem New Yorker Trompeter Amir ElSaffar entwickelt sich eine enge Freundschaft. Dieser engagiert ihn für die Uraufführung seiner Auftragskomposition für das Jazzfest Berlin, die westliche und östliche Musik vereint. „Das Konzert im November 2017 war Wochen vorher ausverkauft, und am Ende gab es tosenden Applaus“, erzählt Paul.
„Umso schwieriger ist es, Auftritte in meiner alten Heimat Österreich zu bekommen.“ Alle ein bis zwei Jahre gelingt es aber doch. Dazu zählen Konzerte mit Trio Cinema: Duo Cinema, erweitert um seinen alten und engen Freund, den Sänger Ronnie Rocket Urini – unter anderem im legendären Wiener Jazzclub "Porgy & Bess"; ein Auftritt mit CC Hennix' Ensemble beim Kontraste-Festival 2013 in Krems, und die neuerliche Zusammenarbeit mit Alfred Polansky bei der Produktion und Präsentation seines Albums ”The Malcolm Lowry Project - Songs Between Heaven and Hell" im Herbst 2017.
Paul lässt sich nicht auf eine Musikrichtung festlegen. Der Jazz hat ihn zwar beeinflusst und  fasziniert, weil er erlaubt, sich stilistisch zu öffnen und andere Elemente einzubinden, aber er sieht sich nicht als Jazzmusiker. Er liebt es, die Genregrenzen zu überschreiten, indem er Soul, Funk, Blues, Psychedelic Rock, Weltmusik, zeitgenössische Musik und freie Improvisation gleichberechtigt spielt und darbietet. Formale Festlegungen sind für ihn nur im konkreten Zusammenhang eines Projekts oder Ensembles sinnvoll. Diese Haltung spiegelt sich in der Vielfalt seiner Alben, die musikalisch einen weiten Bogen spannen – von festgelegten Kompositionen für seine größeren Ensembles „Counterblast“ und „African Chase Experience“ – bis zu völlig freier Improvisation und Klangexperimenten mit der Band „Trialogues“ mit dem Kontrabassisten Udo Betz und dem Gitarristen Jan Weber. Und man erfährt es auch durch einen Blick in den Programmkalender auf seiner Website (www. paul-schwingenschloegl.de), in dem all seine Konzerte aufgeführt sind. Seine Auftritte sind immer gut für Neues und Überraschungen.

Das Interesse am Journalismus hat Paul übrigens nicht verloren. Seit sieben Jahren schreibt er in der Neuköllner Monatszeitschrift "Kiez und Kneipe" Artikel über Musik, Theater, Sport, neue Kneipen und Cafés – ein weiteres Feld für Pauls vielfältige Beiträge zur Kulturentwicklung Neuköllns.






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