Montag, 23. Oktober 2017

39. Erzählcafé im Körnerkiez


Donnerstag, 12. Oktober 2017

Bettina Stahn – Ethnologisches Forschen in Afrika

Bettina Stahn ist eine engagierte Besucherin des Erzählcafés. Von Beginn an ist sie regelmäßig dabei. Seit 1998 wohnt sie in der Emser Straße und verfolgt die Entwicklung des Kiezes. Die Erlebnisse im Erzählcafé haben ihr den Anstoß gegeben, sich zur Wahl des Quartiersrats aufstellen zu lassen, in den sie mit einer beachtlichen Quote gewählt wurde. Darauf ist sie stolz. Die studierte Ethnologin macht entwicklungspolitische Bildungsarbeit im Bereich der Erwachsenenbildung. Im Erzählcafé berichtet sie neben Kindheitserlebnissen über ihre Forschungsprojekte in Afrika.

Bettina Stahn wird 1959 in einer in Berlin-Steglitz wohnenden Arztfamilie geboren. Ihre drei Geschwister sind wesentlich älter als sie: Zu Bernhard beträgt der Altersunterschied 10, zu Cornelia 12 und zum ältesten Bruder Gottfried-Eckehard (genannt Dicki) 14 Jahre. Nach der Geburt Bernhards dachte die Mutter, er sei ihr letztes Kind. Sie war zu der Zeit 26 Jahre alt und von Beruf Gymnastiklehrerin. Eines Tages, so erzählt es die Mutter, holte der Vater sie von einem Ostsee-Urlaub ab. Er umarmte sie und stutzte. Dass sie wieder schwanger war, wollte sie erst nicht glauben. Aber der Vater, ein Arzt, hatte recht, denn er wusste, wie seine Frau sich anfühlte, wenn sie schwanger war. 

1962 zieht die Familie nach Wannsee in ein großes Haus mit Garten, das die Eltern gebaut haben. Bettina wächst geliebt und wohlbehütet auf. Sie ist ein lebhaftes Kind, das sich allein beschäftigen kann und nie gebrüllt haben soll, wenn es etwas haben wollte. Sie hat ihre eigene Methode sich durchzusetzen. Wenn zum Beispiel eines der Geschwister das Haus verlassen möchte, stellt sich Bettina blitzschnell in die Tür und versperrt so lange den Weg, bis der Bruder oder die Schwester bereit sind, sie mitzunehmen. Bei Familienspaziergängen bleibt Bettina stehen, wenn sie nicht mehr gehen kann oder will und spreizt die Beine, um von den Älteren auf die Schulter genommen zu werden. Einmal greift sie nach dem kostbaren Lippenstift der Mutter und bemalt damit die wertvollen, aus Birkenholz gebauten Schlafzimmerschränke. Alle diese Geschichten vermerkt die Mutter in ihrem Tagebuch. Später schenken Freunde ihr eine Filmkamera, die das Tagebuch ersetzt. Die Mutter filmt, wie das Engelchen Bettina beim weihnachtlichen Krippenspiel dem afrikanischen König (alias Bruder Bernhard) die Schokolade vom Gesicht ableckt oder wie der Vater Bettina übers Knie legt, um einen Knopf mit chirurgischer Naht und Verknotung an ihre gelbe Latzhose anzunähen.

1965 wird Bettina in die nahegelegene Dreilindenschule eingeschult. Ihre Lehrerin ist jung, liebenswürdig, und „sie hatte ebenso hellblonde Haare wie ich“. Vom ersten Schultag an ist Bettina mit ihrem Klassenkameraden Claus befreundet, einem dünnen, schwarzhaarigen Jungen mit großen braunen Augen. Die beiden sind unzertrennlich. Bettina leidet an Neurodermitis und hat oft die Hände verbunden. „Meine Hände wurden mit Teersalbe eingerieben. Das war damals das beste Mittel, das den Juckreiz linderte“, erklärt Bettina und beschreibt, wie sich die Kinder in ihrer Klasse die Nase zuhalten und „iii, riecht das eklig“ schreien. Claus dagegen fasst sie um und läuft mit ihr gemeinsam über den Schulhof. Das ist für die anderen Kinder ein Grund zum Lästern, und sie rufen ihnen hinterher: „Braut und Bräutigam!“

Bettina hat genügend Selbstbewusstsein, das gemeine Verhalten ihrer Mitschüler nicht allzu sehr an sich herankommen zu lassen. Sie fühlt sich von Claus unterstützt. Außerdem ist sie auch mit Claus’ Schwester befreundet, die zwei Jahre älter ist. „Wir drei bildeten eine eingeschworene Gemeinschaft, an die niemand herankam.“ Fast täglich sind sie zusammen, entweder zuhause bei Bettina oder bei Claus und denken sich fantasievolle Spiele aus, zum Beispiel: „Verkleiden“. Dabei dürfen sie sich aus der von Bettinas Mutter mit alten Kleidungsstücken vollgestopften Truhe bedienen. Oder: „Vater, Mutter, Kind“. Bettina muss immer das Kind sein, weil sie die Jüngste ist. Im Sommer ziehen die drei durch die Umgebung, erforschen unbekannte Ecken und fühlen sich wie eine Bande. Manchmal gibt es Streit, aber sie schaffen es, sich immer wieder zu versöhnen.

Die Großmutter mütterlicherseits wohnt ganz in der Nähe, Bettina darf sie oft besuchen, sie ist gern bei ihr. Die Großmutter ist Malerin, und Bettina hält sich mit ihr den ganzen Tag lang im Atelier auf und schaut ihr beim Malen zu. „Ich bin mit der Malerei, den Pinseln und Farben aufgewachsen. Das hat mich geprägt. Kunst fasziniert mich noch heute“.

Bettinas Vater arbeitet als Chirurg in einem Ost-Berliner Krankenhaus. Täglich fährt er mit seinem Auto über die Grenze nach Lichtenberg und nimmt dabei die lästigen Kontrollen in Kauf. Auch nach dem Bau der Mauer erträgt er die Strapazen eines „Grenzgängers“. Bettina sagt, ihr Vater sei ein Idealist gewesen. Er blieb im Osten, weil es dort an Ärzten mangelte. (Nach Gründung der DDR sind viele Fachkräfte nach Westdeutschland emigriert.) In West-Berlin dagegen gibt es nur selten freie Arzt-Stellen. Da er überwiegend Ost-Geld verdient, bleibt der Familie nicht anderes übrig, als in Ost-Berlin einzukaufen. Einmal in der Woche überquert die Mutter die Grenze, um den Großeinkauf – Lebensmittel und Bekleidung – für die Familie zu erledigen und nimmt eines der älteren Kinder mit. Bettina trägt die Kleider „aus dem Osten“ gern. Erst später, als sie in der Schule ihre Mitschülerinnen in Kleidern mit Rüschen und Schleifen sieht, will sie auch „so etwas Schönes“ haben. Nach einigen Jahren verbessert sich die medizinische Versorgung in Ost-Berlin, das medizinische Personal wird aufgestockt. Plötzlich sieht man dort die West-Ärzte schief an. Als schließlich eine West-Kollegin gemobbt wird, beschließt der Vater zu gehen und kündigt.

1968, an Bettinas neuntem Geburtstag, steht der Möbelwagen vor der Tür. Sie zieht mit ihren Eltern in das südliche Baden-Württemberg nach Schwenningen, wo ihr Vater in einer Klinik arbeiten wird. Die erwachsenen Geschwister gehen eigene Wege. Bettina ist wütend und traurig, ihre Berliner Freunde verlassen zu müssen. In Schwenningen kommt sie in die 4. Klasse zum Lehrer Herrn Dieterle, den sie als „personifizierten Teufel“ erlebt. Empört berichtet sie, wie er Klassenkameraden mit dem Rohrstock schlug. Als sie einmal ein Buch vergessen hat, nähert er sich ihr hinterhältig lächelnd, kneift sie kräftig in die Wange und schlägt noch einmal drauf. „Ich war völlig paralysiert und konnte es nicht meiner Mutter erzählen. Vielleicht, weil ich wegen des vergessenen Buches ein schlechtes Gewissen hatte.“ Erst viele Jahre später spricht Bettina mit ihrer Mutter darüber. Die Mutter hätte sie selbstverständlich gegenüber dem Lehrer verteidigt, ihn sogar angezeigt.

Auch mit den schwäbischen Kindern kommt Bettina nicht klar. Das Schlimmste ist der eigenartige Dialekt, den sie sprechen. Bettina hat große Mühe sie zu verstehen. Außerdem gefallen ihr ihre Spiele nicht. „Sie warfen Bälle an die Wand und sagten dazu einen blöden Spruch.“ Wenn Bettina ein Spiel vorschlägt, lehnen sie es ab mit der Begründung, es könnte eine „Sauerei“ entstehen. Aber was bedeutet das? Bettina lernt, dass die Kinder „Unordnung“ oder „Schmutz“ meinen. Sie antwortet: Wir können ja wieder aufräumen. Doch Spiele, die Unordnung und später eine Aufräumaktion nötig machen, sind bei den Schwaben wohl nicht vorgesehen, meint Bettina. Sie schwört, niemals so zu sprechen wie die Kinder in Schwenningen. Das wäre Hochverrat gegenüber ihren Berliner Freunden. Umgekehrt finden die Schwenninger Kinder Bettina, „die so komisch spricht“, hochnäsig und glauben, dass sie sich für etwas Besseres hält.

Trotzdem findet Bettina Freundinnen und Freunde, die zu ihr passen, und sie verliebt sich zum ersten Mal. 1976 ziehen ihre Eltern wieder um, diesmal nach Nord-Württemberg in eine kleine Stadt, wo der Vater eine Arztpraxis übernimmt. Bettina muss täglich mit dem Bus zur Schule in die benachbarte Stadt fahren. In ihrer neuen Heimatstadt findet Bettina schwer Anschluss. Nur im Sportverein lernt sie ein paar Leute kennen.

Im Wintersemester 1981/82 wählt Bettina Bayreuth als Studienort, wo die 1972 gegründete Universität einen Afrika-Schwerpunkt hat. Bettina wird dort Ethnologie studieren. „Ich habe schon als Kind gern Menschen beobachtet und mich später auch für fremde Kulturkreise interessiert“, sagt Bettina. Neben Ethnologie belegt sie die Fächer Afrikanistik und Soziologie und findet in überschaubar besetzten Seminaren angenehme Studienbedingungen vor. Die Stadt Bayreuth, die lediglich einmal im Jahr während der Wagner-Festspiele aufblüht, findet Bettina wenig attraktiv. Andere kulturelle Angebote gibt es kaum. Viele der männlichen deutschen Studierenden fahren über das Wochenende nach Hause, „um sich von ihren Müttern ihre Wäsche waschen zu lassen“.

Doch Bayreuth ist Anziehungspunkt für zahlreiche afrikanische Studierende, die sich oft für Germanistik oder Afrikanistik entscheiden. Fast alle wollen nach ihrem Studium in ihre Heimat zurückkehren, um dort bei der Entwicklung mitzuhelfen. Bettina studiert in einem deutsch-afrikanischen Arbeitskreis. Die Studierenden entwickeln Aktionsformen, um gegen den Rassismus im Alltag vorzugehen, machen Ausstellungen, kleben Plakate und verteilen Flyer. Im Studentenheim kommen sie zusammen, diskutieren, kochen gemeinsam köstliche afrikanische Gerichte und organisieren Tanzfeste. „Es war eine lebendige und intensive Zeit. Bei den permanenten Diskussionen mussten wir jedes Wort auf die Goldwaage legen“, sagt Bettina. Die afrikanischen Germanistik-Studierenden hinterfragen sehr genau die Bedeutung vieler Wörter. „Die Tanzfeste haben wir über mehrere Jahre organisiert. Als eine neue Gruppe Studierender hinzukam, die Drogen einführen und Frauen abschleppen wollten, haben wir damit aufgehört.“

Bettina befasst sich mit verschiedenen afrikanischen Sprachen, intensiv jedoch mit den beiden Verkehrssprachen Swahili und Hausa. „Die meisten Afrikanerinnen und Afrikaner sprechen mindestens zwei Sprachen, dazu kommen noch die Amtssprachen, die aus der Kolonialzeit herrühren, und die jeweiligen Verkehrssprachen. Da die vielen Ethnien innerhalb verschiedener Staatsgrenzen verstreut leben, werden in den einzelnen Regionen viele Sprachen gesprochen. In Afrika gibt es mehr als 2.000 Sprachen. Der amerikanische Sprachwissenschaftler Joseph Greenberg hat in den 1960er-Jahren die afrikanischen Sprachen in vier Sprachfamilien eingeteilt. „Die Grammatik afrikanischer Sprachen ist mit der europäischer Sprachen nicht zu vergleichen“, sagt Bettina und versucht die Regeln der so genannten Klassensprachen zu erklären. Um die Hausa-Sprache zu studieren, müssen die Seminareilnehmer das arabische Alphabet lernen, damit sie den Text in arabischer Schrift lesen können.

Im Rahmen eines linguistischen Forschungsprojektes, das Bettinas Bayreuther Professor leitet, reist sie mit anderen Studierenden nach Tansania und Kenia. Es geht darum, Verwandtschaftsbezeichnungen in den verschiedenen Bantu-Sprachen zu sammeln und zu systematisieren. Die Studierenden schlagen ihr Forschungslager auf einem Campingplatz nahe Mombasa auf, um von dort aus die umliegenden Dörfer zu besuchen und an Hand eines Fragebogens Interviews auf Swahili zu führen.

1986 setzt Bettina ihr Studium an der Freien Universität Berlin fort. 1988 hat sie die Möglichkeit, an einer Feldforschung teilzunehmen, diesmal in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), das seit 1965 von Mobuto beherrscht wird. Der Aufenthalt wird etwa drei Monate dauern. Bettina hat sich mit dem Werk des Jesuitenpaters Wauthier de Mahieu befasst, der Anfang des 20. Jahrhunderts über das im Nordosten Zaires lebende Volk der Kumu geforscht hat, und festgestellt, dass den Frauen nur vier Seiten gewidmet sind. Im Rahmen dieses Projektes will sie die Lebensbedingungen und die Kultur der Kumu-Frauen weiter erforschen. Nach einer langen Autofahrt durch den Urwald setzt sie ihr Berliner Professor in „ihrem“ Dorf ab. Sie wohnt bei einer Familie, mit der sie sich auf Französisch oder, noch besser, auf Swahili verständigt. In ihrem winzigen Zimmer, in das gerade das Bett mit dem Moskitonetz, ein Tisch und ein Stuhl passen, fühlt sie sich wohl, und sie beginnt sich im Dorf einzuleben. Anfangs wird ihre Anwesenheit interessiert zur Kenntnis genommen. In der 200 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Kisangani, die auch eine Universität besitzt, bemerkt sie argwöhnische Blicke, weil die Einwohner sie für eine Belgierin halten, die sie an die schrecklichen Zeiten als belgische Kolonie erinnert. Wenn Bettina sagt: Ich bin Deutsche, kann sie ein höfliches „Pardon, Madame“ entgegennehmen.

Bettinas Aufgabe ist es, die Frauen bei ihrer Arbeit auf Schritt und Tritt zu begleiten. Drei Stunden vom Dorf entfernt befindet sich ein Goldabbau, wo die meisten Männer des Dorfes arbeiten. Dort übernehmen einige Frauen den Restaurantbetrieb oder verkaufen Lebensmittel. Im Dorf kümmern sich die Frauen um sämtliche anfallende Arbeiten, auch um die, die sonst von Männern übernommen werden, wie Häuserbau oder Holzfällen. Die Häuser sind aus Lehm gebaut, die Dächer mit Bananenblättern gedeckt. Nach langen Regenzeiten fallen große Reparaturen an. Die Frauen kümmern sich auch um die Kinder, kochen das Essen, gehen auf die Felder oder in den Urwald, um Feuerholz zu holen. Bettina arbeitet täglich mit. Auf der Hinreise zu ihrem Dorf hat sie sich Kinshasa und Kinsangani afrikanische Stoffe gekauft und daraus Kleider nach einheimischen Vorlagen nähen lassen, die sie jetzt im Dorf trägt. Im Urwald zieht sie Hosen an. Es ist bequemer, weil sie und die Frauen oft über große Baumstämme steigen müssen, und ihre Gasteltern haben nichts dagegen. Bei der Zubereitung der Mahlzeiten spielt Maniok eine große Rolle. Bettina schält und kocht diese Wurzel, die ein wenig wie Kartoffeln schmeckt. Um Mehl herzustellen, muss die Wurzel erst gewässert, dann getrocknet und gemahlen werden. Beim Stampfen der Maniokblätter in einem hohen Holzgefäß versucht sie, es den Frauen gleichzutun und ihren gleichmäßigen Rhythmus zu finden. Doch sie bespritzt sich von oben bis unten mit dem Maniokmus – aller Anfang ist schwer! Aus Maniok wird auch Schnaps gebrannt, mit dem sie sich schon mal mit Frauen aus der Familie einen lustigen Nachmittag macht.

Ende 1988 fährt Bettina zurück nach Berlin, beginnt ihren Forschungsbericht zu schreiben und lässt sich abschließend im Tropeninstitut untersuchen: ohne Befund. Doch nach eineinhalb Jahren fühlt sie sich nicht gut. Es heißt, wenn man diesen Zeitraum nach einem Aufenthalt in den Tropen gut überstanden hat, sei man völlig gesund, nicht jedoch Bettina. Ihr geht es immer schlechter, und sie bekommt hohes Fieber. Bettinas Freund muss den Notarzt rufen, der sie ins Auguste-Viktoria-Krankenhaus bringt. Nach ausführlichen Anamnesen mit unzähligen Blutabnahmen ist kein Ergebnis in Sicht. Bis nach einigen Tagen ein junger Arzt nach ihr schaut und sagt: Ich weiß jetzt, was Sie haben: Malaria tertiana. Typisch für diese Krankheit sind die unregelmäßigen Fieberanfälle. Bettina wird auf die Infektionsabteilung verlegt, wo sich auch die neue Station für Aids-Kranke befindet. Nach sechs Wochen kann sie das Krankenhaus verlassen, wissend, dass das vielen anderen Kranken auf dieser Station nicht mehr vergönnt sein wird.

Wieder zu Hause, teilt ihr Freund ihr mit, dass er sich von ihr trennen wird. Auch das muss verkraftet werden. Bettina schließt ihren Forschungsbericht und damit auch das Studium ab und beginnt mit einer Arbeit als freiberufliche Ethnologin in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit. Sie unterrichtet in Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung über Afrika, seine Sprachen, Geschichte und Kulturen. Dabei kann sie auch ihre in Bayreuth gemachten Erfahrungen im Kampf gegen den Rassismus verwerten. Bettinas Eltern und Geschwister unterstützen sie in allen ihren Vorhaben.

Die Eltern haben sich am Rand des Schwarzwaldes noch ein Haus gebaut. Sie haben eine gute Ehe geführt und im Einklang miteinander gelebt, findet Bettina. Als der Vater 1984 im Sterben liegt, ist immer jemand aus der Familie bei ihm. „Nach seinem Tod hatte ich das Gefühl, endlich erwachsen geworden zu sein“, sagt Bettina. Sie ist zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt. Die Mutter bleibt noch viele Jahre allein in dem Haus wohnen. Als sie gebrechlich wird, machen sich die Kinder Sorgen um sie. Bettina legt ihre Unterrichtseinheiten so, dass sie alle zwei Wochen für eine Woche bei der Mutter sein kann. Die Mutter stirbt 2012 mit 90 Jahren.

Seit 1998 wohnt Bettina im Körnerkiez und sie fühlt sich wohl dort. Auch ihre Mutter ließ sie daran teilhaben: Solange diese sie noch besuchen konnte, genossen sie stets einen gemeinsamen Spaziergang im Körnerpark.


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